ohne zeug

Ein halbes Jahr ohne Konsum…

Geschafft. Ein halbes Jahr hab ich überlebt, ohne zu konsumieren. Aus verschiedenen Gründen wollte ich schon viel früher damit aufhören, aber dann haben sich die großen Investitionen immer wieder verschoben und mit dem Einlösen der zwei Joker (Konsum-Ausnahmen) ist es sich dann doch noch ausgegangen.

Ein halbes Jahr lang habe ich keine Bücher und Zeitschriften gekauft, keine Kleidung, keine Postkarten verschickt. Geschenke wurden ausschließlich genäht, in Gutscheinform für nicht Materielles und in Essbarem gemacht. Für J. und A. galten diese Ausnahmen nicht, trotzdem wurde auch auf ihrer Seite nicht viel ausgegeben. (Hier noch mal der Link zu den ersten Schritten ohne Kaufen, und zu den zweiten).

Ersparnis? – Wie schon nach 2 Monaten erwähnt: so viel mehr blieb nicht – dafür an anderen Stellen. Wir haben uns statt dem vielen Kleinkram, der sich nun mal so anhäuft, zwei Tanzkurse inkl. vieler Babysitterstunden geleistet. Außerdem standen irgendwann die 2 Joker an: Dachträger und Radhelm. Das sind dann Ausgaben, die wirklich Sinn machen. Die Aktion „good matters:goods don’t“ hatte aber noch ein paar Auswirkungen auf mein letztes halbes Jahr, die ich noch für viel bemerkenswerter halte. Hier die Highlights:Ausmisten

Radikal Ausmisten

  • Sämtliche Newsletter, die ich nicht mehr lese, habe ich abbestellt.
  • Zwei Abos habe ich gekündigt – zum einen ein super Magazin, das ich eh schon nur mehr als E-Mail-Abo hatte: IZ3W – aber nie die Zeit zum Lesen finde; und die Emma, die mir von Ausgabe zu Ausgabe blöder erschien. Meine Ansprüche an guten Journalismus schienen von Mal zu Mal schlechter erfüllt und das hab ich der Redaktion auch kundgetan. Feministischen Lesestoff bekomme ich aber nach wie vor von den an.schlägen und dem missy magazine.
  • Ich habe es getan: Unadressierte Werbesendungen abbestellt. Die Post macht’s einer nicht leicht, weil sie erst mal ein eigenständiges Briefchen verlangt an eine ominöse Adresse und dann einen Postkasten-Sticker nur für bis Ende des Jahres vergibt, weil mensch ja interessante Werbung verpassen könnte…
  • Share & Care – Immer wieder nutze ich auf facebook diese Gruppe um mich von geliebten oder weniger geliebtem Zeug zu befreien. Auch diesmal wurden Bücher, ungetragene Kleidungsstücke die seit mindestens 8 – 10 Jahren ihr Dasein in meinem Kleiderschrank fristen ausgemistet. Sogar die Stereoanlage meiner Kindheit, von der eigentlich nur mehr das Kassettendeck ordentlich funktionierte hab ich jemand anderem überlassen.

Upcyclen

Im Zuge des radikalen Ausmistens habe ich einen riesigen Berg Kleidung aussortiert, den ich zwar nicht weggeben möchte, aber so auch nicht mehr anziehe weil zu groß, klein, zerschlissen,… Es hat ewig gedauert und ich habe nicht wirklich Erfahrung mit Nähen aber mithilfe einer geborgten Nähmaschine, habe ich bereits die ersten kleinen Wunder vollbracht. Für Kleidungstücke die schon länger ein einsames Leben im Schrank fristen habe ich ebenfalls neue Kombis mit ein bisschen Recherche im Netz gefunden. IMG_7986

Ups, ich hab was gekauft

Einmal – das war recht seltsam – hab ich ein altes Telefon mit Wählscheibe beim Flohmarkt ums Eck entdeckt und prompt für eine Bekannte mitgenommen, die auf der Suche nach so einem Teil war. Da sie aber nicht ganz sicher war, ob sie denn das weiße Exemplar auch nehmen würde – das Schwarze war schon weg, stand ich vor der Frage, was denn mit dem Telefon passiert, wenn sie es doch nicht haben will. Dann hätte ich ja was gekauft – einfach so. Und ein Joker wär dann weg. Ein sehr ungutes Gefühl war das. Richtig unangenehm. Versehentlich was nicht zu brauchendes gekauft…. Sie hat sich dann aber doch sehr drüber gefreut. Puh, noch mal Glück gehabt.

Platzgedanken

Immer wieder mal packt es uns, wenn wir eine Wohnungsanzeige sehen, die uns gefällt und manchmal schauen wir uns diesen Ort dann auch an. Im Laufe dieses halben Jahres ist uns eine 118m² – Wohnung begegnet in für uns toller Lage, auch mit super Aufteilung aber eben auch mit sooo viel Platz. Das war nicht der Grund warum wir sie nicht genommen haben, aber uns ist auch klar geworden, dass wenn wir so eine große Wohnung hätten, wir viel mehr Zeugs benötigen(!) würden, damit diese nicht nach Bahnhofshalle klingt oder kahl aussieht. Kleinkram macht Behausungen erst wohnlich und irgendwie sind diese vollgestopften Ikea-Katalog-Fantasien ja auch idyllisch, aber brauche ich wirklich 10 Kissen und 3 Überwürfe für eine Couch damit sie gemütlich ist?

Am meisten liebe ich an unserer Wohnung auf beiden Seiten den Blick nach draußen ins Grüne. Eichhörnchen beim Frühstück, dieser riesige Baum vorm Kinderzimmer und Fenster so breit wie die Räume selbst sind unbezahlbar für uns. Einige unserer Nachbarn haben Alarmanlagen wegen ihres teuren Interieurs. Ich kann diese Angst nachvollziehen, bin aber selbst froh, sie nicht teilen zu müssen. Unsre wertvollsten Dinge sind ideeller Natur und mit Kleinkind hüten wir uns ohnehin davor, allzu Wertvolles nicht Bruchsicheres anzuschaffen, was zum nächsten Punkt führt.

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Reparaturen

Nicht nur wegen good matters, auch wegen den Müllbergen voller Elektroschrott generell, war ich nicht gerade amused, als J. den Drucker kaputt gemacht hat. Einige Zeit lang hat er sich damit begnügt die Klappe auf zu machen und zuzusehen, wie sich die Patrone hin und her bewegt. Irgendwann hat ihm das nicht mehr gereicht und er hat reingelangt und das Bändchen rausgerissen. – Was folgte war die ewige Suche nach jemandem, der so etwas noch repariert und nicht gleich sagt: kauf einen Neuen, das ist billiger. Fehlanzeige. Es war uns egal, was die Reparatur kosten würde, weil wir dieses Teil einfach nicht auf den Schrott werfen wollten, da abgesehen vom Bändchen ja alls funktioniert hat. Unser lieber Freund youtube war dann so nett und hat uns ein Video gezeigt, wie mensch so einen Drucker auch aufbekommt, ohne dass er dabei gänzlich hinüber ist und tataaa, es wird wieder gedruckt.

Ähnliches Prozedere mit dem Geschirrspüler, den wir so ebenfalls retten konnten.

Dringende Kaufwünsche

IMG_7992Der eine oder andere Kaufwunsch machte sich ebenfalls breit: Fahrradhelm, Unterwäsche, Ballerinas, Overlock-Maschine, E-Bike. – Davon umgesetzt wurde bislang der Fahrradhelm. Wozu die Schuhe waren, weiß ich nimmer. Overlock hat Zeit bis ich mehr Übung hab mit Nähen. Das E-Bike ist ohne Radanhänger, den wir ausgeborgt hätten, nicht nötig. Ja und die Unterwäsche wird’s wohl auf kurz oder lang noch werden. Ebenfalls im Gespräch war eine Babytrage. Die haben wir nun beim Eltern-Kind-Zentrum ausgeliehen. Mittlerweile ist sie auch schon zu klein, d.h. wir werden eine andere gegen Kaution ausleihen. No need to buy.

Mittlerweile allerdings hab ich mir ein paar Kleidungsstücke gegönnt, teils aber auch second hand und ein paar Bücher, die ich mir schon sooo gewünscht hab, und die in der Bücherei so noch nicht zu haben sind.

Mit dabei – und das muss ich fast erwähnen, weil ich sie bereits gelesen bzw. ausprobiert habe: Herzmilch von Getraud Klemm. Sie war heuer für den Bachmannpreis nominiert und auf umstandslos gibt’s bereits eine ausführliche Rezension dazu. Ebenfalls dabei ein Kochbuch, nach dem ich schon lange giere: Vegan, regional, saisonal: Einfache Rezepte für jeden Tag von Lisa Pfleger. Gemeinsam mit ihrem Partner bereibt sie im Burgenland das Experiment Selbstversorgung, das ich per Blog schon länger verfolge. Lisa hat die Rezepte nach Jahreszeiten geordnet, sie sind wirklich einfach und heute gabs daraus den ersten Fenchel-Kohlrabi-Kirschen-Salat! Sehr lecker!

Urlaubsträume ohne Zeug

Schon lange hegen wir den Gedanken zu Campen. Aber in den nächsten Jahren werden wir wohl nicht mehr dazu kommen. Darum wollten wir unsere Campingausrüstung für dieses Jahr ebenfalls zum Großteil ausborgen. Die Dachträger haben wir ja gekauft, die Box haben wir geliehen. Geschirr, Zelt, Tisch, Campingstühle, Sitz fürs Kind, Gaskocher, Hängematte, Wäscheleine konnten wir ebenfalls organisieren, da diverse Ausstattungen ja auch bei andren ein unbenutztes Dasein führen. Was wir letztlich doch gekauft haben ist eine riesige Luftmatratze für uns drei, Wäschekluppen und eine Rasenmatte für vors Zelt. Ist zwar kein must have, aber aus meiner langjährigen Campingerfahrung mit der Familie doch sehr nützlich, wenn der Dreck nicht überall sein soll…vor allem wenn das Kind meist krabbelt….

Abgesehen davon haben wir für den Geburtstag von J. einen Griller ausgeborgt. So einen richtigen, großen. Bei uns zahlt sich die Anschaffung nicht wirklich aus, aber für die Party wars spitze. Und im Urlaub hat auch unser kleiner elektrischer Plattengriller gereicht.

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Frauenmüll

IMG_7991In diesem halben Jahr hab ich mich auch ein bisschen mit frauenspezifischem Müll auseinander gesetzt – der da wäre: Binden, Tampons, Rasierer in rauen Mengen. Für ersteres habe ich schon länger eine umwelt- und geldbörserlschonende Lösung gefunden. Denn wenn mensch sich mal ausrechnet, wie oft eine Frau in ihrem Leben menstruiert, kommt da ganz schön was zusammen an Müll… und Kohle. Viel viel einfacher gehts mit einer „Menstruationstasse“ – z.B. ein DIVA CUP . So ein Teil hab ich mir schon vor Jahren für meine Weltreise besorgt und es ist absoult das Geld wert. Nicht nur, dass frau den ziemlich lange verwenden kann bis er übergeht – und das passiert bei Tampons ja leicht, – sondern er ist auch „gesünder“ vom Material her und wenn mal das überstehende Ende weggezwickt wird, spürt frau auch gar nix mehr davon. Mit ein bisschen Übung ist die Handhabe relativ schnell klar und mensch braucht sich nie wieder Gedanken über weiße Hosen und Größen machen😉

Bei der Sache mit den Rasierern habe ich mich gefragt, ob Haarentfernung nicht auch umweltverträglicher und ohne so viel Zeug funktionieren kann. Natürlich: frau könnte komplett darauf verzichten😉 Aber irgendwann kommt doch der Sommer und nur die wenigsten von uns trauen sich wirklich borstiges Beinhaar mit Sandalen zu kombinieren. Aus zunehmender Faulheit mir diese „Körperarbeit“ selbst anzutun und aus zunehmender Nachlässigkeit bei eben dieser Tätigkeit, hab ich dann im Zuge von good matters beschlossen, ich könnte ja mal waxing ausprobieren. Und siehe da: Es war gar nicht so schlimm und auch noch biologisch abbaubar. Bei uns in der Stadt gibt’s nämlich ein „Wax in the city“ – und die arbeiten mit Bienenwachs und ohne irgendwelche Papierstreiferl. Kann ich ebenfalls nur empfehlen, für alle die ebenfalls mit Faulitis, Kurzsichtigkeit und Scham für den ungeliebten Haarwuchs kämpfen. Danach wachsen die Haare nicht mehr so brutal borstig nach, so dass mensch auch getrost das nachwachsende Beinfell mit Sandalen kombinieren kann – ohne, dass es gleich der Ästhetikpolizei auffällt.😉

Fazit

Ein halbes Jahr ohne Zeug war also gar nicht so schlimm und es könnte auch noch länger gehen. Unser Haushalt verlangt jedoch momentan doch immer wiedermal Reperaturen oder bringt nicht immer genug Geduld für die Lösung von Konsumproblemen auf – funktionieren tut es aber im Prinzip. Und es schadet auch nicht zu überlegen, ob wirklich alles immer gekauft werden muss.

 

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