muttiert

Erster Monat Rabenmutter

Nest

Nest – by Birgit Jürgenssen

Der erste Monat ist rum. Ich arbeite wieder 30 Stunden. Der Vater ist in Karenz. Wenn wir einmal die Woche die Rollen tauschen hört er von KollegInnen oft „Wie, und K. arbeitet jetzt schon wieder?“ Und bei mir in der Arbeit ständig „Und wie gehts J.?“, „Und was macht J.?“, „Und wie geht’s dem Papa mit J.?“ Das nervt mich irgendwie. Ich kanns nachvollziehen, aber mein schlechtes Gewissen meldet sich. Nämlich das, von dem ich glaube, dass ich es haben sollte. Hab ich aber nicht. Eine Kollegin wünscht ihren Kindern am Telefon „Gute Nacht“. Wir treffen uns in der Kaffeeküche. Ein kleines Schwätzchen. Ein längeres Schwätzchen. Huch es ist schon 20 Uhr. Aber hat gut getan, das Tratschen übers Leben. Beikostthema exklusive. Und dann wieder emsig über den Projekten brüten. Schön. Ich ruf zu Hause an, und sag, dass ich später komme. „Ja ja, kein Problem.“ Kurz warte ich auf Widerstand aus der Telefonleitung. Kommt nicht. Eigentlich, denk ich mir, brauch ich auch kein schlechtes Gewissen haben. Sorgen, der Vater könnte nicht zurecht kommen – merke ich – mach ich mir dagegen überhaupt keine. Er weiß absolut, was er tut.

Die Erkenntnis

J. ignoriert mich, wenn ich abends heimkomme. Ich vermisse J. überhaupt nicht während der Arbeit. J. und ich genießen dafür unseren Vater-freien Tag in vollen Zügen; die Routine, die wir über ein halbes Jahr gewonnen haben, die Leichtigkeit, mit der wir Termine, Verabredungen und Besorgungen miteinander kombinieren und die Selbstverständlichkeit mit wir Windeln auch ohne Wickeltisch im x-beliebigen Cafe wechseln können und Service-Personal dazu nötigen, unsre Fläschchen zu wärmen. J. ist kommunikativ, kuschelt mit mir, schaut mir tief in die Augen, streichelt mein Gesicht mit seiner kleinen Patschhand und besteht darauf, in meinem Arm einzuschlafen. Wir singen, wir lachen, wir tanzen. Dieser Tag gehört nur uns beiden und unserer gemeinsamen Entdeckungsagenda.

Das beste Gefühl

Nach 9 Stunden Arbeit energetisch aufgeladen heimfahren und sich freuen, über alles was mensch heute geschafft hat – in einem Durch, ohne Unterbrechung, im FLOW! Dass ich das wiedermal erleben durfte. Irre.

Die Aufteilung

…der Hausarbeit trägt nun umgekehrte Vorzeichen. Wäsche und Geschirrspüler haben das Personal gewechselt. Wer arbeitet muss vorkochen…ach war das bequem, damals.😉 Nun um Viertel nach Fünf aufstehen und ab in den Zug, arbeiten, Zug, heimkommen, vorkochen. J. schaut mir dabei zu und kaut an seiner Karotte auf der Reisebettmatratze vor der kleinen Küche. Anstrengend, ja. Aber irgendwie bleibt trotzdem genug Energie fürs Bloggen, fürs Lesen, fürs Tanzen und Masterarbeit (teils…😉 ). Mehr Organisation ist gefragt, bzw. bin ich nicht mehr so flexibel.

Der Vater

Schreibt mir am ersten Arbeitstag eine SMS mit der genauen Milliliterangabe davon, wie viel Reisbrei J. am Morgen gegessen hat, und dass er ganze 10 Minuten im Vierfüßerstand verbracht hat (Yogalatein). Später schickt er mir noch ein Foto. Plötzlich kriegt er Alltag mit, der für mich schon nicht mehr erwähnenswert scheint. Plötzlich ist er derjenige, der erste Male erlebt. Kurzes Seufzen. Schön für ihn, eigentlich. Nach vier Tagen freut er sich aber auch auf seine Arbeit. Mal was Strukturierteres, kein Brei auf Kleidungsstücken, mehr Konversationen mit Menschen, die auch verständlich antworten. Kann ich gut nachvollziehen.

Jänner gut, alles gut.

Und wenn sie nicht arbeitet,
dann näht sie einen Babybody

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