muttiert

barrierefreie Rabenmutter in Watte gepackt

Differenz

Unlängst sagte eine Freundin zu mir:“ An eurem Kinderwagen hängt ja gar kein Spielzeug.“ Darauf ich:“ J. kann’s eh noch nicht angreifen und eigentlich bietet die Umwelt genug Reize. Momentan ist er vollends damit beschäftigt, sich seine Fäuste in den Mund zu stecken.“ Zwei Minuten später hatte ich schon Gewissensbisse. Bin ich eine schlechte Mutter weil mein Kind kein buntes Spielzeuggebammel von seinem MaxiCosi und seinem Kinderwagen hängen hat? Geradezu zufällig fiel mir dann das kleine Nackenhörnchen im Kinderwagen auf…mit kleinem Tier dran. „Ha, siehst du? Wir haben doch was: einen Hund!“ „Das ist ein Schaf.“ „Aja.“…😀

© Katja Grach

Im ersten Babybuch hab ich 6 Wochen nach seiner Geburt geblättert, dafür steht im Kinderzimmer ein Regal, auf dem unter anderem Lady Bitch Ray’s „Bitchism“ in zartrosa thront. (Recherche für die Masterhesis); davor ein vollbeladener Wäscheständer. Unter anderem mit J.’s Windeln. Er ruht derweil in seiner Hängematte, von der ich das Babyklimbim entfernt habe, nachdem er sich davor gefürchtet hat. Auch in diesem Fall plagt mich das Normierungsgewissen, wenn ich das Büro/Kinder/Wäschezimmer BesucherInnen vorführe. Mach ich denn alles „trotzdem“ richtig? – Dann erinnere ich mich ganz schnell an die Doku „Babys“:

Divergenz

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ich bin ja nicht die einzige Bloggerin mit solcherart Sorgen…

Am Wochenende ist es ein Jahr her, seit ich das erste Mal gespürt hab, dass in meinem Bauch ein Mensch heranwächst. Mittlerweile ist J. 13 Wochen alt. Und der Schwangerenbonus ist vorbei. Ich passe wieder in meine alte Jeans. Leute legen nicht mehr den Kopf schief und lächeln, wenn sie mich sehen. Männer „bemerken“ allerdings wieder meine Anwesenheit im öffentlichen Raum. Appetit und Müdigkeit kann ich zwar noch aufs Stillen schieben, aber ansonsten gelten wieder die alten Regeln…Bauch einziehen, richtiges Schuhwerk statt Schlapfen, sich „ordentlich“ anziehen und an Wochentagen orientieren. Morgen ist mein erster Arbeitstag, mir fallen mehr Haare denn je aus und ich vermisse die geborgene Atmosphäre der Ekiz-Kurse für Schwangere und frisch gebackene Mütter schon jetzt. Dieser behutsame, respektvolle Umgang und die Wahrnehmung individueller Grenzen, Bedürfnisse und Beschwerden. seufz Ich werde meine Welt aus Watte vermissen.- Am meisten aber meine öffentliche Unsichtbarkeit, die mich vor anzüglichen Kommentaren bewahrt hat, die Ehrfurcht vorm ungeborenen Leben, die sämtliche FahrerInnen mit besonderer Vorsicht und sich an Geschwindigkeitsbeschränkungen haltend fahren lies und die Wertschätzung für den weiblichen Körper und seine Fähigkeiten (statt Problemzonen-Musterung). Durchaus leibliche Erfahrungen…

Demenz

Ich bin es gewohnt, mit Rollstuhlfahrenden an Barrieren zu stoßen. Umso mehr genoss ich das Tragetuch im Sommer, mit dem ich mühelos nebenher ein Eis essen und Notwendiges Einkaufen konnte. Dann nahm das Kind zu, mehr und mehr, und zahlreiche Fernleihbestellungen trudelten gleichzeitig auf der Uni ein. Der Kinderwagen kam erstmals zum Einsatz. Und auch der Uni-Hausmeister. Denn Studierende mit Kind gibt es nicht in der Wahrnehmung der Uni Graz. Für Rollstuhllifte werden Schlüssel benötigt, Personenlifte waren fast immer außer Betrieb, Rampen erfordern gefühlte 2 km Umweg. Busse halten prinzipiell in einem Abstand, dass eine sich vorher genau überlegen muss, ob sie vorwärts oder rückwärts ein- oder aussteigt um nicht das Kind mitsamt Wagen in einen Abgrund plumpsen zu lassen, alte Straßenbahnen benötigen ohnehin hilfsbereite Fahrgäste die über drei Stufen auf- und abhelfen. Das Highlight der Barrierefreiheit begegnete uns kürzlich auf der Festung Hohensalzburg, die war zwar netterweise Durchgänge für Menschen auf Rädern besitzt – sowohl für den Fußweg als auch mit der Festungsbahn. Oben angekommen erwarten eine/n dann jedoch zahlreiche Stufen oder enorme Steigungen, die gerade für RollstuhlfahrerInnen nur motorisiert zu bewältigen. Viel wurde da nicht mitgedacht.

Zweite Baustelle: Wickeltische. Eine/r sieht sofort, wo Menschen am Werk waren, die selbst schon mal gewickelt haben, oder auch nicht. Ausklappbare Wickeltische auf Damentoiletten in Waschbeckenhöhe wurden garantiert von unwickelnden Herren montiert, die nicht wissen was Rückenschmerzen sind. Andere interessante Varianten sind die Montage einer klappbaren Unterlage, sodass die einzigen zwei Toiletten nicht betreten werden können, weil sich die Türen nicht mehr öffnen lassen; und mein Highlight: Ein Tischchen auf Kniehöhe im Behinderten-WC mit Unterlage drauf. Sobald ich eine Zusage von Cirque du Soleil bekomme, werde ich das sicher Mal versuchen. Versprochen.🙂

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