muttiert

Was vom Tage übrig blieb…

Eine Freundin prophezeite mir noch während der Schwangerschaft, ich werde mich irgendwann nicht mehr erinnern können, wie es ohne Kind(er) war. Und in der Tat. Ich frage mich ernsthaft, womit ich meine Tage verbracht habe. Eine Stunde mit J. kann nur aus Stillen und Wickeln bestehen, eine Stunde ohne ihn kann gefühlt das Pensum eines Tages komprimiert ausfüllen.

Zeitrechnung

was vom tage_ohneÜberhaupt läuft meine Zeitrechnung anders. 5 – 10 Minuten stillen = 5 – 10 Minuten lesen, das zwischen 8 und 11 mal am Tag. In zwei bis vier Wochen kriegt mensch so ein Buch durch. – Es gibt keine Wochentage mehr, sondern nur mehr das J.’s Alter in Wochen – wie während der Schwangerschaft. Es gibt keine Jahresplanung, keine Jahreszeiten – stattdessen heißen die Meilensteine: Mutterkindpass-Untersuchungen, Uni-Abgabetermine und ab-nun-ist-Rückbildungsgymnastik erlaubt. – Wichtig ist auch nicht mehr die Temperatur draußen, sondern der Griff zwischen die Schulterblätter von J., um seine Körperwärme zu checken, seine Konfektionsgrößen, sein Gewicht, die Öffnungszeiten der Kitas und wieviele Wäschen sich mit diesem und jenem Mittel ausgehen. – Die Uhrzeit erhält nur Bedeutung durch den Stillrhythmus und die Mengenangaben bei Rezepten wurden wiederum erhöht. Ebenso mein Schlafbedarf. Nicht während der Schwangerschaft essen für zwei, sondern während der Stillzeit. 1000 Kalorien zieht J. täglich von mir ab. Mindestens. Er ist gleich groß wie ein Monat ältere Babies.

Revolutionäres

Und obwohl J. schon mehrere Bibliotheken von innen gesehen, bin ich von meiner ursprünglichen Kampfeslust weit entfernt. Mal ganz abgesehen von meinen Energiereserven. Caitlin Moran schreibt (wohl war): “ It’s not simply that a Baby puts a whole person full of problems into the world. It takes a useful Person out of the world, as well. Minimum. Often two. When you have young children, you are useless to the forces of revolution and righteousness for years.“

Tja, darum bleibt mir momentan nicht viel außer auf tolle Posts von anderen Blogs zu verweisen…zehenspitzen

Mütterliches Statement zum Abschluss – wieder aus Caitlin Moran’s „How to be a woman“ (mittlerweile ausgelesen):

über Mutterschaft: „The parallels to war are multiple: you wear the same clothes, day in, day out; you keep saying, hopefully, ‚It’ll all be over by Christmas‘; it’s long periods of boredom punctuated by moments of sheer terror; you get repeatedly infested by vermin; no one seems to know what’s really going on; you will only talk about the true realities of your experiences with other veterans; and often you find yourself lying in the middle of a field in France, at 4am, crying for your mother – although the latter tends to be because you’ve contracted mastitis on a Eurocamp holiday, and realised you’ve only packed one sandal for the six-year-old rather than because you can see your exploded, trousered leg, 20 yards away, and know Wilfred Owen has already started writing a poem about you.“

Passend dazu der aktuelle Buchtitel meiner Still-Lektüre:wann wird es wieder

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