Grundsatzdiskussion

Von A wie Alice Schwarzer bis W wie Whore’s Glory

Ist ja wieder eine Weile her, dass ich von mir hab hören/lesen lassen. Trotzdem finden (laut wordpress-Statistik) viele Menschen auf meine Seite. Manche geben dazu bei der google-Suche „busen bomber“ ein – heute gesehen, andre nehmen wählten die Worte „muttersau“ (2x), „bär morgen rasur“ (2x und oben drein mein persönlicher Favorit), mit „stacheldraht“ schafften es 9, „vulva vergleich“ ist ebenfalls vorne mit dabei, aber auch „bolivianische stoffe“, „frustrierte weiber“, „huhn burka“, „ronja räubertochter“, „nackte frau häkeln“, „ungeniert“ und mein Liebling „zu allem seinen senf dazu geben“ müssen von irgendjemand einmal eingetippt worden sein. Diese Menschen würe ich gerne einmal kennenlernen.🙂
Immerhin, einige verirren sich zum Anti-Porno-Artikel, andere zum Anti-Rassismus-Artikel. Soviel zu meinem persönlichem Bildungsauftrag. Um diesen noch ein kleines bisschen zu erweitern, habe ich diesmal ein kleines Krachbumm-Gender-Lexikon betreffend Sommer und aktuelles Semester zusammengestellt. Sodann, auf gute Information!

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Alice Schwarzer
…gibt ein Buch heraus über ihr Leben/ Ganz interessant mal die junge Alice von der großen Liebe zu Bruno schwärmen zu hören, die die Karriere nicht für die Beziehung aufs Spiel setzen möchte und deshalb nach Frankreich zieht… Bis jetzt kenn ich nur die Auszüge aus der Emma. – Nachdem wir so viel über das Innenleben von Charlotte Roche gehört haben und das wilde Sexleben von Frau Vavrik (beide leider mehr mit Talent zum Skandal als zur Literatur gesegnet), liest sich Frau Schwarzer zumindest ganz nett. Persönlich stimme ich mit ihr sicher nicht in allen Punkten überein, aber sind wir doch alle mal dankbar, dass eine die Klappe immer ganz weit aufreisst und den Kopf dafür hinhält. Führt zumindest zum öffentlichen Diskurs. Dankeschön.

African Gender Studies
… steht dieses Jahr als eine meiner Lehrveranstaltungen am Programm. Feminismus wie wir ihn kennen ist westlich (europäisch/amerikanisch). Für alle andren muss das Thema aber nicht zwangsläufig gleichbehandelt werden. Traurig das sagen zu müssen, aber dieses Seminar ist auch mal eine Möglichkeit, die unterschiedlichen Kulturen und Nationen Afrikas kennen zu lernen. Und zwar nicht aus westlicher Sicht. Wir kleben ohnehin schon die Erkennungsmarken Safari, Krieger, Drogen, Aids, Elefant, Korruption, War Lords, Hunger, Lehmhütte, Rinderhirte, Entwicklungsland und Bodenschätze drauf. Gibt’s sonst noch was? Ja, mit Sicherheit. Schließlich würden wir mit Kampusch, Fritzl, Hitler, Schnaps, Schifahren und Mayerhofen unser Land auch nicht ausreichend repräsentiert sehen (Anmk.: best of der Assoziationen zu meiner Heimat gesammelt auf meiner Weltreise).

B
Buch
Ich schreibe also bin ich (noch immer), und das wird wohl sicher noch bis Jänner so bleiben.

G
Gender Studies- Geschlechterforschung
Vor kurzem habe ich eine Prüfung mit Namen „Grundprobleme der Geschlechtergeschichte“ absolviert. Ausgang bisher unbekannt. War aber jedenfalls wieder mal eine gute Gelegenheit Erklärungen zu finden, wozu denn Gender Studies eigentlich gut sind, oder Feminismus…und überhaupt. Zum Beispiel hat die historischen Frauenforschung maßgeblich dazu beigetragen, die Geschichtsschreibung zu ergänzen, indem neue Quellen gesucht wurden oder Methoden. „Oral history“ – ist so eine Methode für ZeitzeugInnenberichte und spielte z.B. für die Sichtbarmachung der Widerstandsbewegungen im 2. Weltkrieg eine große Rolle. Zudem wurden berühmte Frauen wie Ada Lovelace (erste/r Computerprogrammierer/in) und Hedy Lamar (österr. Schauspielerin und Erfinderin) wieder entdeckt, Leistungen sichtbar gemacht (Trümmerfrauen, Ehrenamt!,…), aber auch die Bereiche erforscht, die tradionell Frauen zugeschrieben wurden, und bisher als wenig erforscht galten (Mutterschaft, weibliche Sexualität, Hausarbeit,…). – Nachdem „gender“ allerdings jegliche Geschlechterrollen betrifft, hat sich die Frauenforschung dahingegehend weiterentwickelt, für alle Disziplinen offen zu sein, diese zu ergänzen, und zu erweitern. Die noch relativ junge Männerforschung, Queer Theory, African Gender Studies,… sind genauso Beispiele dafür wie die Bereiche Reproduktionsforschung  (PID), Recht, Gender Medizin, Soziologie, usw. auf die die Errungenschaften von Gender Studies ebenfalls einen großen Einfluß ausüben.

M
Masterarbeit
Schnell ging’s und ich bin auf Themensuche. Momentan kreise ich zwischen dem Einfluß von Neoliberalismus auf das europäische Sexualverhalten. Darunter subsumieren sich sowohl die Forderungen der 68er, als auch welchen Einfluß allgegenwärtige Tantra-Seminare, Ratgeber, Serien und die 66-Sextips aus Men’s health oder Cosmopolitan auf unser Leben haben. In meinem Kopf schwirren dazu Sätze wie „Sind wir nicht schon längst selber schuld, wenn der Sex schlecht ist? Jetzt wo wir so viele Möglichkeiten haben, wo quasi alles erlaubt ist und die Anleitung auf dem Nachttisch ruht?“, „Ist das die sexuelle Freiheit der 68er, wenn man mit der best-of-outdoor-sex-location konkurrieren muss, und die Bereitschaft/Erfahrung eines flotten Dreiers quasi erwartet wird?“, „Gibt es noch Werbeflächen ohne nackte Haut oder gar Menschen mit Körperbehaarung unter 20?“ – Für weitere Fragen, Inputs bin ich dankbar. Wie gesagt ich befinde mich in der Themenfindungsphase. Literatur zum Genannten ist jedenfalls vorhanden, und der Zusammenhang zwischen Neoliberalismus, Fitness, Wellness und Selbsterfahrung schon mal sehr spannend.

S
Street Harassment
= sexuelle Belästigung auf offener Straße. Darunter fallen Dinge wie: nicht ausweichen, „Hallo Puppe“, nachpfeifen, zuwerfen von Schmatzgeräusche, obszöne Gesten, anzügliche Blicke, Sager wie „geiler Arsch, darf ich dich mal …“ (mir passiert). Die optische Aufmachung ist dabei egal. Figur und Alter ebenfalls. Darüber geredet wird kaum. Warum? Weil es ja so normal ist. Männer sind halt so. Wirklich? Und, muss das so sein?
Kürzlich hab ich meine Seminararbeit zum Thema „Angstraum Stadt“ fertiggestellt und dabei Street Harassment gestreift. Viele Mythen ranken sich um die Straßen der Stadt als gefährlicher Ort für Frauen. Dass viel davon auf die literarische und filmische Vermarktung und Weiterverarbeitung von Jack the Ripper zurückgeht, was der Sage des Lustmörders einen Platz in unserem kollektiven Gedächtnis einräumt. Zeitungsberichte auch. Gibt ja auch kaum was zu lesen über häusliche Gewalt, zumindest nicht in dem Ausmaß in dem sie passiert. 14 % der Frauen erfahren Gewalt von unbekannten Personen, der Rest – 86% – passiert zu Hause bzw. geht von Bekannten aus! Und trotzdem fühlen sich im trauten Heim die meisten sicher. Auch kein Wunder wenn der Mythos und die Anzüglichkeiten der Öffentlichkeit draußen präsent sind. Da ist es doch logisch, dass wir Schlüsselbund und Handy zu unserer Pseudo-Verteidigung zücken, wenn wir uns in der Dämmerung auf den Heimweg machen. Ein „komischer“ Blick im Bus reicht. Dass sich auch andere Äußerungen (siehe Street Harassment) nicht gerade jubelreif und angstfrei auf unser Gemüt auswirken, erzählen folgende Videos.

W
Whore’s Glory
Den Titel finde ich eigentlich furchtbar. Auch das Beihängsel „ein Hurenfilm„. Reisserisch, aber lockt zumindest auch Menschen an, die sich ansonsten nicht intellektuell mit dem Thema beschäftigen. Pluspunkt: Verzicht auf Kommentare des Dokumentarfilmers. Ein bisschen wie Frederik Wiseman. Dadurch bleibt viel Platz für Diskussion und Auseinandersetzung für die ZuschauerInnen. Andererseits die Ästhetisierung des Hässlichen mit tollem Soundtrack von Coco Rosie und einer bunten Bilderflut sieht zwar schön aus, romantisiert die harte Realität aber auch ein bisschen zum surrealen Film. Die Auswahl der Orte – Thailand, Bangladesh, Mexiko – trägt ebenfalls zu einem Gefühl von „nicht von dieser Welt“ bei. Gleichzeitig macht es aber natürlich auch betroffen zu sehen, dass anderso wo ein kaum 14-jähriges Mädchen ratlos versteinert in einer bunten Tracht auf ihren Freier wartet und das Publikum fragt, warum denn die Frauen soviel leiden müssen. Auf jedenfall sehens- und diskutierenswert. Interessant dazu das Interview mit Glawogger selbst. – Ach ja, es geht um Prostitution, für alle die es noch nicht wissen. Jetzt im Kino!

Interview mit Michael Glawogger

Trailer

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